LOVESONG

4. - 7. November 2020, Kraftwerk Bille, Hamburg

Ist die deutsche Nationalhymne zu ersetzen?

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Durch den letzten, schnell verstummten Aktualisierungsversuch des Textes (2018), zeigte sich eine weitergehende Problematik, die der Nationalhymne anhaftet. Denn nicht allein der Text, auch die Melodie hat sich tief in das kollektive Gedächtnis Deutschlands eingeschrieben. Während die als Nationalhymne geltende Strophe im Laufe der Geschichte immer wieder wechselte, blieb die Melodie beständig.

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Mit LOVESONG spürt der Komponist Daniel Dominguez Teruel in einem Konzert der Melodie nach und thematisiert die gesellschaftliche Überforderung im Umgang mit der Hymne. Gemeinsam mit Musiker*innen und den deutschen Meister*innen im Fahnenschwingen transformiert er die deutsche Nationalhymne von der Melodie ausgehend, verschiebt sie harmonisch, überlagert und verwebt sie mit zeitgenössischer Pop-Musik, Barockposaunen und elektronischen Gesängen. Die Kesselhalle des ehemaligen Hamburger Heizkraftwerk Bille (1901) – Industriedenkmal der Moderne und Ruine des 2. Weltkrieges wird dabei zum meditativen Klangkörper. Nach Requiem for Architecture, das 2019 in der Elbphilharmonie aufgeführt wurde, setzt Daniel Dominguez Teruel mit LOVESONG seine künstlerische Arbeit mit der deutschen Nationalhymne fort.

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Nationalhymnen sind Oden, Preisungen und vertonte Sehnsüchte. Es sind der Nation gewidmete Liebeslieder, Volkshymnen und blutige Kriegslieder. Mit der Ausrufung einer Nation wird ihre Hymne zu einem akustischen Denkmal. Heute wirken sie wie Relikte aus dem europäischen 18. und 19. Jahrhundert.

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Jospeh Haydn bediente sich am kroatischen Volkslied „Jutro rano ja se stanem“ um 1797 die österreichische Kaiserhymne zu komponieren. Auf diese Melodie dichtete 50 Jahre später Hoffmann von Fallersleben auf Helgoland den Text des Deutschlandliedes, das 1922 zur 1. Deutschen Nationalhymne erhoben wurde. Die Weimarer Republik erklärte mit allen drei Strophen die endlich geschaffene Einheit. Später passte sich die Doktrin der deutschen Nationalhymne immer wieder den Veränderungen der Geschichte an: die Führung des NS-Regimes definierte 1933 mit der ersten Strophe ihren Krieg zur territorialen Expansion; Adenauer behauptete 1949 mit der dritten Strophe eine Nation jenseits des Faschismus; und 1990 wurde die dritte Strophe der Nationalhymne zum Credo der Wiedervereinigung.

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Die Fahne! Die Hymne! Was gibt’s da zu wehen? Was gibt’s da zu besingen?

Konzept, Musik, Künstlerische Leitung: Daniel Dominguez Teruel Musik: Stimme (Mona Steinwidder, Nour Eddin), E-Gitarre (Homero Alonso Langbein), E-Bass (Carlos Andrés Rico), Zink (Lilli Pätzold), Barockposaune (Juan González Martínez, Alexandra Mikheeva, Dalton Harris) Choreografie: Fahnenschwinger Konstanz (Hans Konrad, Trinh Vo, Lisa Schlaich, Gerhard Schlaich, Betreuung: Ines Schlaich) Konzeption, Künstlerische Mitarbeit: Golo Pauleit, Steven Thelen Styling: Golo Pauleit Raumausstattung: Steven Thelen Dramaturgische Beratung: Adnan Softić Choreografische Beratung: Regina Rossi Produktion Booklet: Katharina Hetzeneder Presse und Öffentlichkeitsarbeit: Julia Lerch Zajączkowska Video Helgoland: Gulab Jamun Webseite: Rudolph Schneider Übersetzung Englisch: Isolda Mac Liam Produktionsleitung: Florian Vitez, George Williams Technische Leitung: Florian Vitez Tontechnik: Benjamin Kurz Lichttechnik: Dominik Willisch


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